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Thema: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.

  1. #1
    Erfahrener Benutzer Benutzerbild von einröb
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    Standard Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.


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    Auslöser meines postings ist der Text

    "Unser Angebot richtet sich an alle Betroffene, die mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Burnout, Angst- sowie Panikattacken und Zwängen zu kämpfen haben." im herzlich Wilkommen

    Auslöser meines postings ist der Text

    "Unser Angebot richtet sich an alle Betroffene, die mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Burnout, Angst- sowie Panikattacken und Zwängen zu kämpfen haben." im herzlich Wilkommen.

    Vorab, eigentlich hängt mir der Begriff Burn Out zum Hals raus. Er ist abgenudelt wird für Bakatellen oder als versüßte Beschreibung einer Depression unreflektiert verwendet.
    Geht man aber so damit um wie u.g. dann ist eine Differenzierung zur Depression und auch Angst für die eigene Genesung durchaus hilfreich.

    http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/20 ... 08-115.PDF
    (steht dort leider nicht mehr


    "Beim Burnout ist der Stresszirkel eine Aufwärtsspirale (Abb. 4 x). Der Burnoutpatient hat sich typischerweise in eine Lebenssituation manövriert, wo tatsächlich hohe äußere Leistungsanforderungen vorhanden sind (Stressor).
    Seine innere Einstellung und Motivation, der Stressverstärker, ist antreibend. Dies sind die bekannten Burnout Risikofaktoren: Perfektionismus («sei perfekt!»), betontes Harmoniebedürfnis, auch Helfersyndrom genannt («sei beliebt!») und zwanghaftes Kontrollbedürfnis.(«sei eigenmächtig!»). Wird die Selbstaufforderung im Sinne des «ich schaffe es» zu dominant, so folgt der Distress als Überforderung, das Sollen hat sich zu weit
    nach oben vom Können abgehoben. Dies bewirkt primär eine narzisstische Kränkung mit einer Trotzreaktion:
    «Ich schaffe es trotzdem.» Weil der Burnoutpatient die abnehmenden Ressourcen lange Zeit nicht wahrhaben will und sich nicht zurücknimmt, wächst der Aufgabenberg, die äußeren Anforderungen nehmen zu, und die Aufwärtsspirale zirkuliert weiter, bis es zum Kollaps des
    Ausgebrannt seins kommt.

    Bei der Depression ist der Stresszirkel eine Abwärtsspirale (Abb. 5 x). Der Depressionsgefährdete kann sich in Lebenssituationen mit hoher, durchschnittlicher oder tiefer objektiver Belastung vorfinden. Der persönliche Stressverstärker funktioniert bremsend, indem die bereitliegenden depressiven Grundmuster aktualisiert werden:
    Selbstzweifel und Unterschätzung («ich kann nicht»), Verlassenheit («niemand hat mich gern») und im Selbstzweifel wurzelndes Misstrauen («niemand hilft mir»). Daraus erfolgt der Distress als Hilflosigkeit: Infolge des mangelnden Kompetenzvertrauens wird das Können als ungenügend beurteilt und zu tief angesetzt, die Diskrepanz zwischen Sollen und Können wird zu
    gross. Die psychische Stressreaktion ist Entmutigung, man gibt sich keine Chance mehr. Läuft der Stresszirkel weiter, so bewirkt dieses ungewollte Selbstbremsmanöver in der subjektiven Sicht des Depressionsgefährdeten einen weiteren Anstieg der Umgebungsanforderungen,
    und die Abwärtsspirale mündet schließlich in die Sackgasse der depressiven Devitalisierung. Man fühlt sich wie abgestorben.
    Der markante Unterschied in den beiden Stresszirkeln liegt bei den Verstärkern: Die Burnoutperson hat eine Plusvariante (Antreiber), der depressive Mensch eine Minusvariante (Bremser, Stopper). In der deskriptiven Persönlichkeitseinteilung entsprechen gewisse Typen mehr der Plusvariante (z.B. narzisstische oder anankastische Persönlichkeit), andere mehr der Minusvariante (z.B. selbstunsichere oder ängstliche Persönlichkeit). Die differenten Stressverstärker sind der Hauptgrund der unterschiedlichen Stresszirkel. Beim Burnout ist es das Kampfmuster (Aufwärtsspirale), bei der Depression das Unterordnungs- oder Bewahrungsmuster (Abwärtsspirale).

    Bei der hormonellen Stressachse entspricht die Bewahrungsreaktion einer gesteigerten Aktivität des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Systems mit Hyperkortisolismus, was Deprimierung und Aktionshemmung begünstigt [4].

    Beim Einbruch des Zirkels – dem Burnoutkollaps und der depressiven Sackgasse – münden beide Varianten in das Erschöpfungssyndrom, in die Erschöpfungsdepression. Die vorgenommene Differenzierung der Stresszirkel ist vor allem zu Beginn des Krankheitsprozesses, vor der klinisch manifesten Dekompensation, relevant:

    Der Burnoutpatient bäumt sich auf, kämpft («er brennt»),
    der Depressive gibt rasch auf, ordnet sich unter («er de-primiert sich, er drückt sich nieder»). Im weiteren Verlauf vermischen sich die beiden pathogenetischen Mechanismen.

    Einröb

  2. #2
    Mod i.R. Benutzerbild von Lutz
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    Standard AW: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.

    Warum wird eine Depression lieber als Burnout verkauft?

    Es ist irgendwie heroischer sich durch kaputt Arbeiten einen psychischen Schaden zu erwerben, als einfach nur psychisch krank zu sein.
    Liebe Grüße
    Lutz

    Nur wer alle Blickwinkel prüft, weiss, welcher der richtige ist.

  3. #3
    Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.

    Seit ich den Tod kenne, lerne ich ohne Angst zu leben.

  4. #4
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    Benutzerbild von einröb
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    Standard AW: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Warum wird eine Depression lieber als Burnout verkauft?

    Es ist irgendwie heroischer sich durch kaputt Arbeiten einen psychischen Schaden zu erwerben, als einfach nur psychisch krank zu sein.
    Das sehe ich auch so. Aber im ersten Blick ist es so, dass sichj der BO tler aufgeopfert hat für andere. In enstprechenden Foren kann man dann immer nach solchen Erfahrungsberichten als Antwort lesen.

    Du hast ganz viel geleistet, viel gegeben. Jetzt musst du auch mal an dich denken.

    Worauf klassicherweise der Betroffene schreibt
    Ja stimmt ja aber

    Meine Kollegen sind jetzt alleine
    Meine Mutter müsste ins Heim
    usw. usw.

    Deshalb finde ich ja auch diesen Aufsatz gut, denn er beschreibt, eben das was du ansprichst Lutz.
    Nämlich dass es ja viel psycho - peinlicher ist wenn man sich selbt zerfleischt. Wenn man so karnk oder gestört ist dass man nicht ganz natürlich merkt wann es genug ist.

    Deshalb ist auch die Kritik der Psychiater an dem Begriff Burn Out berechtigt. Der Begriff würde nur von der eigentlichen Thematik ablenken.

    Andererseits halte ich die totale negierung des Phänomens BO genauso für falsch.
    Es ist in der Bearbeitung und vor allem auch danach ein Unterschied ob einem die Psyche einfach die Energieraubt und man erstarrt oder ob einem die Psyche über den gesunden Punkt hinaus treibt.

    Der Depressive versucht wieder möglichst etwas zu machen, der BO Betroffene muss aufpassen dass er nicht wieder zu viel macht.

    Die Ursache für beide Störungen mögen durchaus die selben sein können.

    Einröb

  5. #5
    Mod i.R. Benutzerbild von Lutz
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    Standard AW: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.

    Ich denke ja genauso Einröb.

    Wenn ich das jetzt so konzentriert und auf den Punkt gebracht lese, dann steigt mir irgendwie der Begriff Manie im Zusammenhang mit Burnout und im Gegensatz zur Depression auf.

    Psychisch gesehen sind beides Erkrankungen und auch in Kombination gegeben.
    Liebe Grüße
    Lutz

    Nur wer alle Blickwinkel prüft, weiss, welcher der richtige ist.

  6. #6
    Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Wenn ich das jetzt so konzentriert und auf den Punkt gebracht lese, dann steigt mir irgendwie der Begriff Manie im Zusammenhang mit Burnout und im Gegensatz zur Depression auf.
    Ja eine manische Komponente begünstigt einen BO.

    Angststörung auch

    Angst treibt die BO Spirale

    Die reihenfolge, Angst vor ...Bewältigungstress ...Burn Out ... Erschöpfungsdepression wird vielen von uns schnell einleuchten.

    Deshalb ist das Thema BO hier im Forum durchaus angebracht.
    Komunziert wird aber immer nur Ängste und Depression lägen nah beieinader und man denkt eher so an gestörte Gehirnchemie.

    Deshalb habe ich das hier mal so reingestellt. Vielleicht hilft es jemandem

    Einröb

  7. #7
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    Benutzerbild von einröb
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    Standard AW: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Wenn ich das jetzt so konzentriert und auf den Punkt gebracht lese, dann steigt mir irgendwie der Begriff Manie im Zusammenhang mit Burnout und im Gegensatz zur Depression auf.
    Ja eine manische Komponente begünstigt einen BO.

    Angststörung auch

    Angst treibt die BO Spirale

    Die reihenfolge, Angst vor ...Bewältigungstress ...Burn Out ... Erschöpfungsdepression wird vielen von uns schnell einleuchten.

    Deshalb ist das Thema BO hier durchaus angebracht.
    Komunziert wird aber immer nur Ängste und Depression lägen nah beieinader und man denkt eher so an gestörte Gehirnchemie.


    Einröb

  8. #8
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    Standard AW: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.

    Danke für die Info. Ich bin Burnout-Patient. Ich kämpfe, ich brenne. Aber ich habe es nicht geschafft. Leider. Die Leukämie meines Mannes, die sechs Monate dauerte, hat auch meine Mutter, die meinen Mann selbstaufopfernd betreut hat, in die Psychatrie gebracht. Und mich auch. Wesensveränderung meines Mannes bis zur häuslichen Gewalt. Ich kann irgendwie nicht mehr.

  9. #9
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    Standard AW: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.

    Danke - ich fühle mich mit Überforderung so unverstanden.

  10. #10
    Administrator Benutzerbild von Lunie
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    Standard AW: Warum es wichtig ist den Unterschied zwischen Burn Out und Depression zu kennen.


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